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Rettungshundestaffel Hamburg |
Einsatz
bei der Gasexplosion in Bremen
(von Heino Harbs)
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13:0O Uhr: Anruf auf meinem Handy vom Staffelmitglied Daniel Pacher: In den Nachrichten Meldung von einer Gasexplosion in Bremen. 13:05 Uhr: Rückruf bei Gerd-Holger Siebert in Niedersachsen. Auskunft: Er ist bereits auf dem Weg nach Bremen und wird uns schnellstmöglich informieren. Ich rufe die entsprechenden Hundeführer an und eröffne den Voralarm. 13:30 Uhr: Gerd-Holger Siebert fordert die Unterstützung durch die RHSt Hamburg an. Telefonische Alarmierung der voralarmierten RH-Teams. |
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14:02 Uhr: Der Golf (RotKreuz 20/2) startet, besetzt mit 3 Personen und 2 Hunden. Sonderrechte werden in Anspruch genommen. 14:03 Uhr: Der Hundewagen startet, besetzt mit 4 RH-Teams, ebenfalls mit Sonderrechten. |
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15:30 Uhr: Eintreffen des 20/2 am EO. Beim Verlassen der Autobahn werden wir von einem Wagen der BF Bremen erwartet und mit Sondersignal durch Bremen geleitet. Bei der Ankunft sind zwei Teams von uns, die direkt zum EO gefahren sind, bereits vor Ort und im Einsatz. Einweisung in die Lage durch G.-H. Siebert und EL der Feuerwehr: Ein 3-geschossiges Wohnhaus ist durch eine Gas-Explosion im linken Teil völlig, im rechten Teil stark zerstört. Möglicherweise ist durch Baggerarbeiten vor dem Haus die Gasleitung beschädigt worden. Das Haus war ein Altenheim bzw. -Wohnhaus. Die Anzahl der Bewohner ist nicht genau feststellbar. 18 Personen waren z.T. verletzt gerettet, 2 verschüttete Personen sind bereits gerettet. Die Lage einer Leiche ist bekannt, wegen schwerer Vertrümmerung ist sie aber z.Zt. nicht zu bergen. Von 8 bis 12 Personen ist der Aufenthaltsort unbekannt. Ob sie im Haus waren ist nicht bekannt. Als sicher gilt, daß der Hausmeister im Keller oder kurz davor ist, weil ihm Gasgeruch gemeldet worden sei. 15:50 Uhr: Der Hundewagen trifft ein. Sie haben sich durch die Autobahn-Polizei lotsen lassen. |
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17:00 Uhr: Es trifft ein grosser Abriss-Bagger ein (übrigens der gleiche wie in Thedinghausen). Es werden erste schwere Betonteile vom Trümmerberg entfernt. Das THW und die BF räumen von Hand die leichteren Teile. Die Hunde werden immer wieder auf die Trümmer geführt, um zu suchen. 18:15 Uhr: Nach langem Suchen werden endlich zwei lebende Person entdeckt. Zwar haben bereits mehrere Hunde den Fundort angezeigt, doch weder THW noch Feuerwehr haben bisher unsere Hinweise richtig ernst genommen und lieber an anderer Stelle gesucht. Möglicherweise ist das ein Ergebnis der Arbeitsweise der Staffel Weser-Ems, die vor uns am EO war und deren Arbeit auch uns nicht überzeugt. Jetzt wird unseren Hunden plötzlich Glauben geschenkt. Zu den Gefundenen bestand bereits mehrfach vorher eine Verbindung durch Handy-Verbindungen, allerdings konnten die Betroffenen ihre Lage im Haus nicht definieren, sie hatten im zweiten Stock gewohnt. Eine männliche Person wird gerettet, nach kurzer Zeit eine weitere weibliche Person. Sie stehen unter schwerem Schock, sind aber nur leicht verletzt. |
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19:00 Uhr: Aus dem Raum neben den beiden Geretteten wird eine weitere, schwer verletzte Frau ausgegraben, die mit Schonfahrt durch einen RTw ins Krankenhaus transportiert wird. Später erfahren wir, dass diese Person im Krankenhaus verstorben ist. 20:30 Uhr: Der Einsatzleiter der BF beschliesst, dass nur noch eine Hundestaffel am Einsatzort bleiben soll. Die Wahl fällt auf die Hamburger Staffel. Die beiden anderen Staffeln werden nach Hause geschickt. Gerd-Holger hat seine Leute schon entlassen, er bleibt am EO. |
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22:00 Uhr: Es sind bereits grosse Teile des Hauses von den inzwischen 2 Baggern beiseite geräumt bzw. auf LKW verlastet. Unsere Hunde interessieren sich für einen Spalt, der von zwei schräg abgestürzten Decken an einer Wand gebildet wird. Noch aber hat der Bagger gewaltige Probleme mit den Decken, so dass noch kein Zugang geschaffen werden kann. Es wird uns mitgeteilt, daß in den Trümmern im rechten Teil des Gebäudes eine weibliche Person mit HIV im Endstadium vermutet wird. 24:00 Uhr: Zweite Lagebesprechung: Die BF, das THW und die Polizei wechseln komplett ihre Mannschaften aus. Der Baggerführer haz inzwischen einige Teile der störenden Decken beseitigen können. Die Hunde interessieren sich immer noch sehr stark für die Gegend, auch wenn inzwischen eine Menge Staub aufgewirbelt wurde. Die Anzeigen sind schwächer, aber deutlich. |
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21.11.2000 02:00 Uhr: Die Deckenteile sind vollständig beseitigt. Zwei Hunde zeigen beide an der gleichen Stelle an. Nach dem Wegräumen von nur wenigen kleinen Teilen erscheint ein Schuh, gleich danach ein mit einem Strumpf bekleideter Fuß. Eine weitere Leiche ist gefunden. Die Hunde werden noch einmal über das gesamte Trümmergebiet geschickt, bringen aber keine Anzeige. 03:00 Uhr: Inzwischen ist es bitterkalt. Seit 22:00Uhr keine Lebend-Anzeige mehr durch die Hunde und ausser der o.a. Stelle auch kein Interesse für irgendeinen Platz auf dem Trümmerberg. Da wir alle heute wieder arbeiten müssen und in unseren Augen keine Hoffnung mehr auf Lebend-Rettungen bestehen brechen wir den Einsatz ab, meldem uns bei der EL ab und fahren nach Hause. Zu unserem Entsetzen erfahren wir im Radio von einer Vollsperrung der Autobahn Richtung Hamburg wegen eines brennenden LKW. Wir schleichen inmitten einer Kolonne von LKW über die Dörfer... |
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04:30 Uhr:
Ankunft im KV. Alle sind ziemlich müde. Wir
machen die Fahrzeuge wieder bereit, dann werden alle Helfer mit Dank entlassen.