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Rettungshundestaffel Hamburg
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Einsatz in der Türkei nach dem Erdbeben am 17. August 1999
(von Heino Harbs)
Mittwoch, den 18.08.1999 um 03:15 Ortszeit bebte in weiten Teilen der Türkei die Erde.
Eines der schwersten Erdbeben ereignete sich. Wegen der zerstörten Kommunikationswege
wurde das Ausmass der Zerstörungen nur langsam bekannt.
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Ca.09.30 Uhr
Anruf von Thomas Reimers bei mir, in den Nachrichten
würde von einem Erdbeben in der Türkei berichtet. Anzahl der Toten bereits über
Hundert, 6000 Verletzte. Ich habe mir selbst Nachrichten, Videotext angesehen
und Informationen aus dem Internet geholt.
Ca. 09:40 Uhr
Anruf bei LV, App. Rickenberg. Dr. Kamp meldet sich,
H. Rickenberg ist in Urlaub gewesen und noch nicht wieder am Arbeitsplatz.
Einsatzbereitschaft der RHSt HH mit 6 Personen und 4 Hunden per Telefax an GS
in Bonn gemeldet. Per SCALL und Telefon werden die HF informiert und
in Alarmbereitschaft versetzt.
ca. 10:00 Uhr
Anruf vom LV: Das GS hat das Angebot weitergegeben,
Rückmeldung ist noch nicht erfolgt, LV prüft Flugmöglichkeiten, möglicher
Abflug ca 17Uhr. Erhöhte Bereitschaft für die RHSt, Einsatzwahrscheinlichkeit ist hoch.
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ca. 10:25 Uhr
Anruf vom LV: Das OK des Roten Halbmondes und des GS
liegen vor, Flugzeug steht um 14:00 Uhr am Flughafen Hamburg bereit.
12:15 Uhr
Verladen der Einsatzausrüstung im Kreisverband.
Abfahrt zum Flughafen, Eintreffen dort
13:15 Uhr.
Alle Teile der Einsatz-Ausrüstung müssen aus den
Lagerkisten entnommen und einzeln im Lear-Jet verstaut werden. Die Piloten
bekommen unsere gesamte Ausrüstung untergebracht, nur den Treibstoff nehmen sie
nicht mit. Als 7.Person fliegt der Arzt Dr.Jacobi mit, der Rote Halbmond hat um
Ärzte gebeten.
13:30 Uhr
Presse-Termin,jede Menge Reporter mit Foto- und Interview-Wünschen, vom
DRK-Pressesprecher koordiniert.
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14:05 Uhr
Abflug, Direktflug nach Istanbul. Ruhiger Flug, gute
Stimmung mit vorsichtiger, gedämpfter Erwartungshaltung. Keiner weiss, was uns
erwartet.
16:55 Uhr
Landung in Istanbul.
Offenbar werden wir erwartet, eine Menge
Uniformträger erwartet uns. Auf meine Bitte nach Nennung einer Ansprechperson
werde ich einer Frau vorgestellt, die sich als Repräsentantin des
Außenministerium vorstellt und fragt, was wir benötigen. Meine Bitte nach einer
kurzen Pause für die Hunde, einer Transportmöglichkeit für Mensch, Hund und
Ausrüstung sowie eines Führers zu einem Lagezentrum wird wie folgt bearbeitet:
Es wird uns ein Flughafenbus bereitgestellt, der uns
alle mit dem Equipment zu einer kleinen Grünfläche auf dem Flughafen fährt.
Nachdem die Hunde dort ihre kleinen Geschäfte erledigt haben fährt uns der Bus
zu einem am Rande des Vorfeldes stehenden Stadtbus aus Istanbul. Mir wird
erklärt, das dieser Stadtbus und der Fahrer uns für unseren gesamten Einsatz
zur Verfügung steht. Dazu erhalten wir eine Polizei-Eskorte auf Motorrad, die
uns zum Einsatzort begleiten soll.
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Abfahrt vom Flughafen in die Stadt. Die Eskorte ist
notwendig, denn der Verkehr ist mörderisch.
Erster Einsatzort: 2 Häuser links und rechts einer
Schnellstrasse. Im ersten Haus wird eine Person vermißt, im 2. Haus 15
Personen. Ein RH-Team sucht im ersten Haus, 3 RH-Teams übernehmen das 2. Haus.
18:10 Uhr
Lebend-Anzeige durch einen Hund, vom zweiten Hund bestätigt.
Die Bergungsarbeiten werden an der angezeigten Stelle aufgenommen. Während der
Arbeiten gibt es gegen 19:20 ein leichtes Nachbeben, das beschädigte
Nachbarhaus knirscht vernehmlich und Teile bröckeln ab. Alle Personen verlassen
fluchtartig das Trümmerfeld.
19:30 Uhr
Da die Dunkelheit droht wollen wir erst unser Camp
aufbauen. Wir fahren mit dem Bus zu einem Stadion in der Nähe. Auf dem Weg
dorthin werden wir angehalten und sollen ein weiteres Haus untersuchen. Wir
versprechen, nach dem Aufbau des Camps zurückzukehren.
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Das Stadion ist zwar fürchterlich staubig, aber weit
genug von allen Gebäuden entfernt. Ausserdem haben wir bei einer Polizeistation
direkt nebenan Wasser, Strom und Toiletten.
20:00 Uhr
Erneute Sucharbeit wie versprochen. Auch hier sind
zwei gegenüberliegende Häuser eines Strassenzuges kollabiert, der Rest ist mehr
oder weniger stark beschädigt. Auf dem ersten Haus wird bereit an einer Stelle
gegraben, an der eine Person vermutet wird. Die Hunde bestätigen diese Stelle
und geben eine Lebendanzeige. Das zweite Haus scheint nur schwer beschädigt. Beim
näheren Untersuchen stellt sich aber heraus, dass die beiden unteren Stockwerke
nicht mehr existent sind und als Trümmerblock unter dem Gebäude liegen. Das
Haus ist schwerst einsturzgefährdet, eine Arbeit in der Dunkelheit ist nicht zu
verantworten.
22:30 Uhr
Zurück im Camp. Nach dem Versuch, sich ein wenig zu
reinigen, der erforderlichen Nahrungsaufnahme und einem Eindrucks- und
Erfahrungsaustausch der Versuch einer Nachtruhe.
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Aus Angst vor Nachbeben kampieren
grosse Teile der betroffenen Bevölkerung
irgendwie und irgendwo im Freien, so dass es in der Nacht wohl nicht sehr ruhig
sein wird. Ausserdem ist es ziemlich warm.
18. August 06:30 Uhr
Wir versuchen, über die Leitunge der Polizei Kontakt
zum Roten Halbmond herzustellen. Eine Dame, die zu Besuch in
der Türkei ist, hilft beim dolmetschen. Der Versuch scheitert, der Doktor und
ich fahren mit der Polizei zum örtlichen Krisenstab.
Auch hier gelingt kein Kontakt, weder nach Hamburg
noch zum Roten Halbmond. Alle Mobil-Netze sind abgeschaltet, das Festnetz total
überlastet. Vom Militär bekommen wir einen Führer, dann fahren wir wieder an
den Einsatzort von gestern abend.
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07:20 Uhr
Die Hunde geben an der gleiche Stelle wie gestern
eine Anzeige, Soldaten beginnen mit dem Räumen des Schutts.
Ein HF berichtet, er sei gestern abend durch eine
Balkontür in das Haus gegenüber geklettert und der Hund habe bis zum
Treppenhaus vordringen können. Der Hund sei stark daran interessiert gewesen,
nach unten zu gelangen, eine Anzeige sei aber nicht erfolgt und es gäbe keine
Möglichkeit, tiefer zu gelangen.
Ich lasse trotz hoher Gefahr das Haus von aussen
absuchen. An einer Stelle wollen die Hunde in das Gebäude eindringen, aber es
ist ohne Sicherungsmassnahmen zu gefährlich. Dann glaubt man plötzlich eine
Stimme aus dem Gebäude zu hören. Alle Arbeiten werden eingestellt, ein Mann
ruft so laut er kann einen Namen und bekommt tatsächlich Antwort! Wir beraten gemeinsam mit den Soldaten
mögliche Abstützungen des Gebäudes, Freiwillige des Militärs beginnen bereits
trotz höchster Gefahr mit Grabearbeiten.
08:30 Uhr
Fahrt zu einem weiteren zerstörten Haus, 5 Menschen
werden vermißt. Auch dieses Haus zeigt die typischen Merkmale: 2 oder 3
Geschosse sind völlig zerstört und liegen als Schichtung übereinander, an einer
Wandseite treffen alle Decken aufeinander und steigen von dort häufig in einem
Winkel von etwa 30 Grad an. Zwei Hunde zeigen an einer Seite des Hauses an,
allerdings geben sie keine Lebenanzeige. Wir öffnen mit Hilfe eines Baggers die Schichtung ein wenig und sehen in
der Öffnung den toten Körper einer Frau.
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09:00 Uhr
Wir werden zu einem weiteren Schadensgebiet gerufen.
Dort befindet sich ein ehemals 6 Stockwerke hohes, völlig zertrümmertes Haus.
15 Personen werden in den Trümmern vermutet. Auf dem Weg dorthin versperrt ein
großer Bagger auf der Strasse, der an einen kollabierten Haus arbeitet, für den
Bus den Weg. Wir werden zu Fuss das Hindernis umgehen und schnappen uns die
notwendigen Sachen: Helm, Handschuhe, Licht und Wasser für die Hunde. Es ist
warm und ziemlich anstrengend, ausserdem ist der Weg weiter als angegeben. Als
wir das Hindernis umgangen haben und wieder auf dem direkten Weg sind, rasen
von irgendwoher plötzlich dunkle Limusinen und Polizei-Jeeps heran, dunkel
gekleidete Herren mit Sonnenbrillen und Knopf im Ohr umringen uns und wir
werden von irgendeiner wichtigen Person begrüßt. Erst langsam kommen wir
dahinter, was das Ganze sein soll: Die wichtige Person ist der Bürgermeister
von Istanbul, der uns begrüssen und für unseren Einsatz danken möchte.
Ausgelöst worden ist das Ganze vermutlich durch eine Beschwerde unseres
Führers, dass wir mit unseren Hunde zu Fuss durch Istanbul traben müssen. Nach
einem wortreichen Palaver haben wir immerhin ab sofort eine ständige
Polizei-Eskorte, die dafür sorgen soll, dass wir überall hinkommen.
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Endlich am Einsatzort angekommen. Das Haus ist
völlig zertrümmert, ehemals 6 Stockwerke hoch. Helfer haben bereits eine
grossen Teil der Trümmer von Hand entfernt und so eien guten Zugang zum Treppenhaus
geschaffen. Gegen 14:00 Uhr haben wir eine Lebend-Anzeige durch 2 Hunde, die beide nach unten
weisen. Die Helfer graben weiter.
Es gelingt über ein Handy eines CNN-Reporters ein
Telefon-Kontakt mit dem GS.
15:30 Uhr
Uns erreicht eine Meldung, dass aus dem Einsatzort
von gestern jetzt Telefonkontakt bestanden haben soll und das Stimmen gehört
worden seien. Die Hunde zeigen an der gleichen Stelle wie gestern an und wir
beschliessen, dass die oberste Platte entfernt werden muss. Vom 'schrägen Haus‘
gegenüber erfahren wir, dass tatsächlich eine lebende Person gerettet und zwei
Tote geborgen werden konnten.
17:30 Uhr
Das eingestüzte Haus mit den 'gefährlichen Nachbarn‘
ist teilweise abgetragen. An den zwei Stellen, die die Hunde angezeigt haben,
sind jeweils eine Person gerettet worden. Jetzt fehlt noch ein Kind. Wir suchen
noch einmal, haben aber keine Anzeige.
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Es erreicht uns die Nachricht, dass die
Lebend-Anzeige von vorhin zu einer Rettung von zwei Personen an genau der
angezeigten Stelle geführt hat!
Donnerstag, 19.08.99 08:00 Uhr
Nach einer Information aus dem Krisenstab gibt es
noch einen Platz, an dem gestern abend Lebenszeichen gehört worden seien. Unter
Begleitung eines hohen Militärs suchen wir das Haus auf, aber nach Aussage der
Anwohner seien alle Personen aus dem Haus gerettet. Blinder Alarm, aber
vielleicht stammt die Meldung aus dem Haus ca. 200 m weiter. Aber auch das ist
eine Ente.
Kontakt mit dem LV: Klaus Röper hat abgebrochen.
Kölln, Stuttgart und zwei bayrische Staffel werden eintreffen.
Unser Krisenstab überlegt, ob wir in einen anderen
Bereich verlegt werden sollen, der nach Informationen zu 85% zerstört sein soll
und etwa 180 km entfernt ist.
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16:45 Uhr
Wieder ein telefonischer Kontakt aus einem
eingestürzten Haus. Sandy zeigt intensiv eine Richtung an, der provisorisch
gezeichnete Bauplan deutet auf einen Treppenaufgang hin. Dort wurde bereits
gestern ein Toter gefunden. Durch eien Seiteneingang geht Daniel ins Haus.
Shirly dringt tief in das Haus ein und will immer in eine Richtung. Teile des
Treppenhauses sind zugänglich, die Feuerwehr räumt weiter aus. Sandy zeigt an
der gleiche Stelle den gleiche Drang, geht selbständig den langen Gang entlang
und kriecht ins Dunkle.
13:00 Uhr
Der Rest der Gruppe hat inzwischen das Camp
abgebaut, wir werden ca. 130 km weiter weg fahren. Auf den Trümmern wird
versucht, ein Loch ins Innere zu brechen. Der Einstieg erweist sich aber als
viel zu gefährlich, dahinter ist alles rutschig. Es wird beschlossen, ein Loch
in die Kellerdecke zu brechen, um evtl. von unten an den Aufgang zu kommen.
16:45 Uhr
Das Loch ist fertig. Der geöffnete Keller ist leer
und völlig unzerstört, der Treppenaufgang aber durch gestürzte Betonplatten
versperrt. Aus der Kippkante ist Blut gelaufen, das schon lange geronnen und
fest ist.
Wir brechen ab und fahren los, Richtung
Degirmendere. Mit Polizei-Eskorte geht ab Richtung Fähre. Wir erhalten einen
neuen Guide, eine junge Frau.
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19:30 Uhr
Am Fährhafen treffen wir Helfer aus Finnland sowie
eine RH-Staffel aus Rheinland-Pfalz, die vom THW unterstützt werden. Leider war
vom THW weit und breit noch nichts zu sehen...
Das Einschiffen beginnt. Plötzlich taucht das
Gerücht auf, es würde in den nächsten 10 Minuten ein schweres Beben auftreten.
Das Einschiffen stockt, offenbar will der Kapitän keine Autos an Bord lassen.
Nach 20 Minuten Unterbrechung geht es weiter.
Während der Überfahrt müssen die Hunde am Achterdeck im Qualm der Motoren bleiben, sie sind am Ende
der Fahrt richtig verölt!!
21:30 Uhr
Endlich wieder an Land. Nach kurzer Fahrt ein Stopp,
Diskussion unseres Guide mit der anwesenden Polizei oder Militär, die uns
unbedingt hier behalten wollen. Die junge Frau setzt sich durch, unsere Hilfe
wird an anderer Stelle dringender benötigt, hier sind Helfer genug. Die Fahrt
geht weiter Richtung Gölcük, auf einer Landstrasse mit riesigem Verkehr in
Richtung Erdbebengebiet, alle LKW voll beladen mit Lebensmittel, Wasser u.ä.
Die kleine Landstrasse wird 3-spurig befahren...
Am Rande sieht man die Raffinerie brennen, die Luft
ist stickig und rußig, sie brennt auf der Zunge.
00:45 Uhr, 20.08.99
Astrid hat Geburtstag, wir singen ihr ein kleines
Geburtstag-Lied. Ankunft im Krisen-Zentrum Gölcik. Nach einer Diskussion mit
dem Bürgermeister fahren wir weiter zum EO für morgen, damit wir dort noch ein
wenig Ruhe kriegen und dann weiter arbeiten können.
01:45 Uhr
Ankuft am EO. Wir schlafen im Bus, weil wir den
Platz nicht mehr erkunden können.Um 02:15 ein leichtes Nachbeben, die Leute springen
aus den Häusern und Autos. Die RH-Staffel aus R-Pfalz sucht noch in der Nacht.
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Freitag, 20.08.48 07:00 Uhr
Nach kurzer Nacht früh aufgestanden. Kontakt mit HH:
Es wird versucht, für Sa oder So den Rückflug zu organisieren.
Unser EO liegt in der Nähe: ehemals drei große
Wohnhäuser mit insgesamt 98 Wohnungen, jedes Haus etwa 10 Stockwerke hoch.
Geblieben ist ein Trümmerhaufen von ca. 30 m Breite, 120 m Länge und
8 m Höhe. Auf der Vorderseite sind noch die
Strukturen der Balkone zu erkennen auf der Rückseite nur übereinander getürmter
Schutt. Der Schuttberg enthält eine unbekannte Anzahl von Vermißten, in der
Nacht sind 4 Tote geborgen worden. An vielen Stellen wird bereits geräumt und
gegraben, ein starker Leichengeruch liegt über dem Ganzen. An einer Stelle der
Balkon-Seite zeigen Jette und Shirly an, dass sie unbedingt in die Tiefe
wollen. Weitere Lebend-Anzeigen gibt es nicht. Tot-Anzeigen sind durch die
Hunde wegen der Intensität des Leichengeruches nicht mehr zu lokalisieren.
09:00 Uhr
Nach der Umrundung des ersten EO fahren wir an einen
anderen Teil des Ortes.
Extreme Zerstörung einer gesamten Siedlung,
bestehend aus etwa 30 Häusern des gleichen Typs. Ein Hund der Armee soll Leben
angezeigt haben, wir sollen es überprüfen. Unsere Hunde geben nur Tot-Anzeichen.
Die RH-Staffel aus R-Pfalz ist hier im Einsatz, sie arbeitet in der prallen
Sonne und läßt die Hunde auch in der prallen Sonne ruhen. Außerdem benutzt sie
Horchgeräte. Während der Horch-Zeiten sperrt das Militär den Trümmer-Bereich
ab. Die Soldaten haben verdammt saubere Anzüge...
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11:00 Uhr
Neue Meldung: evtl. Leben in einer Siedlung ca. 300
m weiter.Wir fahren hin, erhalten bei
der Suche aber nur Tot-Anzeigen. 2 Leichen werden geborgen. Nur noch intensiver
Leichengeruch, die Suche wird zusehends unmöglicher. Langsam werden die
Meldungen über Lebenszeichen unwahrscheinlich, weil immer mehr widersprüchlich.
Kontakt mit HH: alle Flüge proppenvoll, bisher haben
alle Airlines abgesagt. Wir sollen versuchen, direkt vom Flughafen aus eine
Flug zu organisieren.
14:00 Uhr
Wieder ein Lebenszeichen aus einem Haus (Stimmen
gehört), ein 12-jähriges behindertes Mädchen. Ich glaube auch, Stimmen gehört
zu haben. Jette und Xari zeigen an einer Setzung klar an. An einem weiteren
Kanal ins Haus hinein ist Leichengeruch zu bemerken, Fliegen suchen bereits
ihren Weg ins Innere. Wegen der vermuteten Lebenszeichen wird die Anzeige der
Hunde bearbeitet. Es ist schwierig, den Helfern darzustellen, wie gegraben
werden sollte, damit möglichst keine Lebensgefahr für die Retter besteht. Eine
Gruppe will mit schweren Gerät abreißen, ich kann es verhindern.
18:00 Uhr
Der vermutete Raum ist erreicht, aber er ist leer.
Antwort auf die Rufe ist auch schon lange nicht mehr zu hören. Plötzlich wird
bekannt, welcher Art die Behinderung ist: Das Mädchen sei taub!!
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19:30 Uhr
Der Zugang mit dem Leichengeruch wird geöffnet. Nach
etwa einer Stunde Grabung wird eine Leiche gefunden, die aber nicht geborgen
werden kann, weil ein Arm durch einen Träger eingeklemmt wird. Jette wird in
den Kanal geschickt, liefert aber nur eine Tot-Anzeige.
20:30 Uhr
Am geräumten Raum mit der Lebend-Anzeige werden noch
einmal 3 Hunde angesetzt. Alle zeigen weiterhin Interesse an der Setzung,
allerdings schwächer als heute mittag.
21:00 Uhr
Der Einsatz wird vom Krisenstab beendet.
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Es erreicht uns die Meldung, daß aus der Anzeige von
heute morgen bei den drei Häusern eine Lebendrettung geworden sei: ein 40-jähriger Mann hat
im Keller unbeschadet überlebt.
Wir fahren nach Istanbul, wo wir am
Sonnabend, 21.08.99
am Flughafen ankommen. Unser Fahrer hat
wahrscheinlich bei Schummi gelernt..
Ein Flugzeug könnte um 03:40 gehen, wenn wir die
bürokratischen Hindernisse überwinden. Es dauert einige Zeit, bis unsere
'Zaubermaus‘ (wir nennen sie so, weil sie in ihrer kurzen Zeit als unser Guide
das Unmögliche möglich gemacht hat) wieder mal gewonnen hat und der Pilot trotz
anfänglicher Bedenken erlaubt, dass wir mit Hund in die Kabine kommen. Etwa 45
Minuten hat das Flugzeug auf uns gewartet, dann dürfen wir an Bord! Ohne
Tickets, ohne Zoll! Gerret klingelt noch schnell den Helmut aus dem Bett, damit
sie in HH Bescheid wissen, herzlicher Abschied vom Fahrer und der Zaubermaus,
dann ist das Abenteuer für uns erstmal zu Ende. Wir erhalten 3 Reihen am Ende
der Maschine und von den Stewardessen eine bevorzugte Bedienung: erst einmal
Köllnisch Wasser, vermutlich duften wir ganz gut
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Telefonische Meldung unserer Zaubermaus
an Daniel:
An der letzten Einsatzstelle ist noch ein Mädchen ausgegraben worden! Auch Petra
berichtet, dass ein türkischer Nachbar, der nichts von der ganzen Sache wusste,
ihr folgendes gesagt habe: eine RH.Staffel, die abreisen musste, habe einen
Hinweis auf ein lebendes verschüttetes Mädchen hinterlassen. Dieses Mädchen
sei lebend ausgegraben worden!!
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